Byzantine ideology of war in the period of the Crusades

In diesem Projekt wird die ideologische Wahrnehmung von Krieg und Frieden durch die Byzantiner in der Zeit von der Thronbesteigung des Kaisers Alexios I. Komnenos (1081) bis zur "lateinischen" Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 untersucht. Die byzantinischen Kriege dieses Zeitraumes fanden unter grundlegend anderen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bedingungen statt als die byzantinischen Kriege im Zeitraum vom 7. bis zum 11. Jahrhundert, was eine eigenständige Untersuchung rechtfertigt.

Ziel der Studie ist es, einen potentiellen religiösen Charakter des byzantinischen Krieges durch eine Untersuchung des ideologischen Hintergrundes der byzantinischen Militärpolitik während der "Reconquista" der Komnenen und des diesbezüglichen Einflusses der Ideologie der Kreuzzüge zu klären. Wir werden uns mit der Entwicklung der offiziellen byzantinischen Kriegsideologie im Rahmen des politischen, wirtschaftlichen und militärischen status quo der Zeit und mit den byzantinischen Positionen gegenüber dem Kreuzzugskonzept des Krieges als Mittel des Nachlasses der Sündenschuld auseinandersetzen. Weiters ist die individuelle Wahrnehmung des Krieges durch die Byzantiner zu untersuchen, um unterschiedliche Konzepte und Auffassungen von Frieden und Krieg innerhalb der byzantinischen Gesellschaft aufzuspüren.

 Unsere Arbeitshypothese ist, dass die Wahrnehmung des Friedens durch die Byzantiner eine Wahrnehmung des Krieges als notwendiges Mittel definierte, um Frieden zu erreichen. Daher muss gezeigt werden, mit welchen politischen Bedingungen die Byzantiner den Frieden in der Zeit vom späten 11. bis zum frühen 13. Jahrhundert identifizierten, um klarzustellen, ob sie den Krieg überwiegend als Mittel betrachteten, um Frieden zu erreichen, oder als etwas an sich Böses, das zugunsten des Friedens vermieden werden sollte. Bezüglich der Frage des religiösen Charakters des byzantinischen Krieges gehen wir davon aus, dass die negative Haltung der Byzantiner gegenüber dem Djihad als Hinweis und Voraussetzung für eine negative Haltung gegenüber dem Konzept der Kreuzzüge zu betrachten ist; dies insbesondere, da eine beiden, Djihad und Kreuzzug gemeinsame, ideologische Komponente die Einschätzung des Krieges als Mittel der Sündenvergebung darstellte. 

Die Arbeitsmethode basiert auf einer analytischen Lektüre der schriftlichen Quellen der Zeit ab dem ersten Kreuzzug (1095) bis zur Gründung des Reiches von Nikaia (1206), um alle auf Krieg und Frieden bezogenen Informationen zu erfassen. Das gesammelte Material wird durch eine komparative Analyse, Synthese und Interpretation der Informationen aufbereitet, um publikationsreife Ergebnisse zu bieten.

 Die Ergebnisse dieses Projekts werden eine bereits vorliegende Studie zur byzantinischen Kriegsideologie in der Zeit vom 7. bis zum 11. Jahrhundert ergänzen und somit das Wissen über die byzantinische Kriegsideologie in der Zeit nach Justinian I. (527-565) vervollständigen. Auch die komplexe Frage des "heiligen" Krieges wird hierdurch differenzierter als bisher behandelt werden.